• Start
  • Kanzlei
    • Philosophie
    • Historie
    • Anwälte
    • Karriere
    • Kunst
    • Presse
  • Rechtsberatung
    • Erstberatung
    • Telefonische Beratung
    • Kosten
  • Rechtsgebiete
    • Arbeitsrecht Arbeitnehmer und Betriebsräte
    • Arbeitsrecht: Unternehmen
    • Erbrecht
    • Familienrecht
    • Forderungseinzug (Inkasso)
    • Gesellschaftsrecht
    • Gewerblicher Rechtsschutz und IT-Recht
    • Immobilienrecht, Mietrecht und WEG-Recht
    • Kapitalanlagerecht
    • Onlinehandel
    • Restrukturierung und Insolvenz
    • Unternehmenskauf
    • Unternehmensnachfolge
    • Urheber-, Medien- und Presserecht
  • Recht aktuell
  • Insolvenzverwaltung
  • Kontakt

„Coram iudice et in alto mari sumus in manu Dei“.

zu deutsch:
„Vor Gericht und auf hoher See sind wir in Gottes Hand.“
(Deshalb sollte Ihr Kapitän stets kompetent und zuverlässig sein!)

GRAF-DETZER Rechtsanwälte

Rechtsanwalts-Kanzlei in Wolfratshausen mit internationaler Kompetenz

  • Rechtsanwälte der Kanzlei Graf-Detzer
    Umfassende Beratung und Vertretung aus einer Hand
  • kanzlei-graf-detzer-besprechungsraum
    Mit Kompetenz und Weitsicht bringen wir Sie an Ihr Ziel
  • kanzlei-graf-detzer-visitenkarten
    zuverlässig – diskret – bewährt
  • Coram iudice sumus in manu Dei von der Irschenhausener Malerin und Schmuckdesignerin Judith Amselgruber
    Coram iudice sumus in manu Dei

Nachlass überschuldet – wann kann ich die Erbschaft anfechten?

27. Januar 2026 | von Rechtsanwalt Helmut A. Graf | Kategorie: Erbrecht

Viele Erben merken erst nach Ablauf der Ausschlagungsfrist, dass der Nachlass nicht „Vermögen“, sondern ein Schuldenpaket ist. Dann droht die persönliche Haftung – und die Frage lautet: Komme ich da noch heraus? Neben Instrumenten zur Haftungsbegrenzung (z. B. Nachlassinsolvenz) kann in bestimmten Konstellationen auch die Anfechtung der Erbschaftsannahme helfen. Eine aktuelle Entscheidung des LG Frankenthal (Urteil vom 27.02.2025 – 8 O 189/24) zeigt sehr praxisnah, wann das funktioniert.

1) Ausgangspunkt: Ausschlagung vs. Annahme – und warum es schnell kritisch wird

Die Sechs-Wochen-Frist als „Schaltstelle“

Wer Erbe wird, hat grundsätzlich die Wahl, die Erbschaft anzunehmen oder auszuschlagen. Die Ausschlagung ist gesetzlich vorgesehen (vgl. § 1942 BGB) und muss innerhalb der Frist erklärt werden (regelmäßig sechs Wochen, § 1944 BGB). Wird nicht rechtzeitig ausgeschlagen, gilt die Erbschaft als angenommen (§ 1943 BGB).

Warum Überschuldung gefährlich ist

Mit der Erbenstellung geht grundsätzlich die Haftung für Nachlassverbindlichkeiten einher (§ 1967 BGB). Besonders konfliktträchtig sind Forderungen, die Angehörige „vorstrecken“ – etwa Bestattungskosten: Der Erbe trägt die Kosten der Beerdigung (§ 1968 BGB). Wenn diese Position den Nachlass „ins Minus“ zieht, ist der finanzielle Schaden schnell erheblich.

2) Kernaussage des LG Frankenthal: Anfechtung bei Irrtum über eine wesentliche Nachlassverbindlichkeit

Das LG Frankenthal (Urteil vom 27.02.2025 – 8 O 189/24) hat entschieden: Wer eine Erbschaft angenommen hat, ohne die Überschuldung zu kennen, kann die Annahme wegen Irrtums anfechten – aber nicht „automatisch“ bei jeder nachträglich auftauchenden Schuld. Erforderlich ist nach der (in der Rechtsprechung anerkannten) Linie, dass der Erbe eine wesentliche Forderung gegen den Nachlass irrtümlich übersehen hat.

Der Sachverhalt in der Praxisbrille

Der Erblasser hatte seinen Sohn (aus erster Ehe) testamentarisch zum Erben eingesetzt; ein Kontakt bestand zuletzt nicht. Die Witwe zahlte die Bestattung und verlangte anschließend ca. 7.500 EUR vom Sohn. Erst dadurch wurde dem Sohn klar, dass die Bestattungskosten als Nachlassverbindlichkeit den Nachlass überschulden. Der Sohn erklärte daraufhin die Anfechtung der Erbschaftsannahme.

Warum das Gericht die Anfechtung durchgehen ließ

Das Gericht sah die Bestattungskosten als wesentliche Forderung an, weil der Nachlass erst durch deren Berücksichtigung überschuldet war. Zusätzlich war für das Gericht plausibel, dass der Sohn über diese Kostenlast irrte: Nach dem Vortrag hatte die Witwe zu Lebzeiten erklärt, die Beerdigung könne über den Erlös aus einem Pkw-Verkauf finanziert werden. Das stützte die Annahme, der Sohn habe ernsthaft davon ausgehen dürfen, nicht „aus eigener Tasche“ als Erbe haften zu müssen.

3) Juristische Einordnung: Welche Normen tragen die Anfechtung?

Anfechtungsgrund: Irrtum nach allgemeinen Regeln

Die Anfechtung der Erbschaftsannahme richtet sich dogmatisch nach den allgemeinen Anfechtungsvorschriften, insbesondere dem Irrtumsrecht. In solchen Fällen wird typischerweise auf einen Irrtum über verkehrswesentliche Eigenschaften abgestellt (§ 119 Abs. 2 BGB) – hier: die tatsächlich bestehende Überschuldung bzw. eine entscheidende, übersehene Nachlassverbindlichkeit.

Frist: Sechs Wochen ab Kenntnis des Anfechtungsgrundes

Entscheidend ist die kurze Anfechtungsfrist: Die Anfechtung muss grundsätzlich binnen sechs Wochen erfolgen, nachdem der Erbe vom Anfechtungsgrund Kenntnis erlangt (§ 1954 BGB). Praktisch heißt das: Wer erstmals durch ein Anwaltsschreiben, einen Mahnbescheid oder eine Rechnung erkennt, dass eine „wesentliche“ Verbindlichkeit existiert, muss sofort handeln.

Form: Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht

Die Anfechtung ist gegenüber dem Nachlassgericht zu erklären (§ 1955 BGB). In der Praxis gilt: Formfehler sind der häufigste „unnötige“ Verlustgrund – deshalb sollte die Erklärung sauber begründet und in der richtigen Form abgegeben werden (oft in der Form, wie sie auch für Ausschlagungen verlangt wird, vgl. § 1945 BGB).

4) Wann ist eine Anfechtung realistisch – und wann typischerweise nicht?

Realistische Erfolgsfälle

Eine Anfechtung hat vor allem dann Substanz, wenn (1) der Erbe bei Annahme von einer im Kern werthaltigen Erbschaft ausging, (2) eine einzelne, gewichtige Verbindlichkeit übersehen wurde, und (3) gerade diese Verbindlichkeit den „Kipppunkt“ zur Überschuldung auslöst. Bestattungskosten, Steuerschulden oder Bürgschaften können – je nach Nachlass – genau diese Qualität haben.

Schwierige Fälle

Schwierig wird es, wenn der Erbe die Nachlasslage „ins Blaue hinein“ hinnahm („wird schon passen“) oder sich schlicht nicht kümmerte. Gerichte prüfen in solchen Konstellationen regelmäßig streng, ob tatsächlich ein beachtlicher Irrtum vorlag oder eher ein bloßes Motiv-/Kalkulationsrisiko. Ebenso problematisch: Wenn die Überschuldung nicht auf einer wesentlichen Einzelposition beruht, sondern auf einer Vielzahl kleinerer Schulden, die sich erst im Gesamtbild ergeben.

5) Alternative bzw. Ergänzung: Haftung begrenzen, statt (nur) anzufechten

Die Anfechtung ist nicht das einzige Werkzeug. Selbst wenn sie zweifelhaft ist oder die Frist verpasst wurde, kann die Erbenhaftung häufig begrenzt werden. Typische Stichworte sind:

  • Nachlassinsolvenz (bei Überschuldung regelmäßig zu prüfen; Ziel: Trennung von Eigenvermögen und Nachlass),
  • Nachlassverwaltung (gerichtliche Verwaltung zur Haftungsbegrenzung),
  • Dürftigkeitseinrede bei unzureichendem Nachlass (§ 1990 BGB).

Welche Option „die beste“ ist, hängt davon ab, wie schnell die Überschuldung feststeht, welche Gläubiger bereits Druck machen und ob Fristen (Anfechtung!) noch laufen.

6) Praktische Checkliste: Was Betroffene jetzt sofort tun sollten

Schritt 1: Fristen sichern

Wenn die Ausschlagungsfrist (§ 1944 BGB) vorbei ist, prüfen Sie unmittelbar die Anfechtungsfrist (§ 1954 BGB). Diese beginnt erst mit Kenntnis des Irrtums – aber läuft dann sehr kurz.

Schritt 2: „Wesentliche Forderung“ konkret herausarbeiten

Dokumentieren Sie, welche konkrete Verbindlichkeit Sie nicht kannten, warum diese wesentlich ist (Kipppunkt zur Überschuldung) und weshalb Sie davon ausgehen durften, dass diese nicht (oder nicht in dieser Höhe) anfällt. Im Frankenthaler Fall war die Vorkommunikation zur Finanzierung der Bestattung das entscheidende Plausibilitätsmoment.

Schritt 3: Erklärung formrichtig beim Nachlassgericht

Die Anfechtung muss gegenüber dem Nachlassgericht erklärt werden (§ 1955 BGB), typischerweise in der für Ausschlagungen vorgesehenen Form (§ 1945 BGB). Inhaltlich sollte die Erklärung den Irrtum, die Wesentlichkeit und die Kenntniserlangung (Fristbeginn!) nachvollziehbar darstellen.

Fazit

Die Entscheidung des LG Frankenthal ist ein starkes Signal für die Praxis: Eine Erbschaftsannahme ist nicht zwingend „für immer“ bindend, wenn der Erbe die Überschuldung nur deshalb nicht erkannte, weil er eine wesentliche Nachlassverbindlichkeit irrtümlich übersehen hat – hier: Bestattungskosten nach § 1968 BGB. Aber: Der Erfolg hängt an engen Voraussetzungen und vor allem an Fristen (§ 1954 BGB) und Form (§ 1955 BGB). Wer nachträglich von Schulden erfährt, sollte daher nicht „abwarten“, sondern sofort die Anfechtung und/oder Haftungsbegrenzungsinstrumente prüfen lassen – sonst wird aus dem Erbfall schnell ein Privatinsolvenzrisiko.

Übrigens: Mit Kanzleisitz in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof in Wolfratshausen sind die Anwälte der Kanzlei GRAF-DETZER Rechtsanwälte auch für Klienten aus Geretsried bequem zu erreichen. Direkt vor unserer Kanzlei stehen Ihnen ausreichend Parkplätze zur Verfügung und auch von der Bushaltestelle am Bahnhof erreichen Sie uns mit nur wenigen Schritten.

Suche

Recht aktuell :: Archive

    Kategorien
    • Allgemein
    • Arbeitsrecht
    • Äußerungsrecht
    • Datenschutzrecht
    • Erbrecht
    • Familienrecht
    • Gesellschaftsrecht
    • Gewerberecht
    • Handelsrecht
    • Insolvenzrecht
    • IT-Recht
    • Kapitalanlagerecht
    • Kaufrecht
    • Markenrecht
    • Mietrecht
    • Presserecht
    • Ratgeber
    • Recht allgemein
    • Steuerrecht
    • Urheberrecht
    • Versicherungsrecht
    • Vertragsrecht
    • Verwaltungsrecht
    • WEG-Recht
    • Werkvertragsrecht
    • Wettbewerbsrecht
    • Zivilprozessrecht
    • Zwangsvollstreckungsrecht
    Monatsarchiv
    • Januar 2026
    • Dezember 2025
    • November 2025
    • Oktober 2025
    • September 2025
    • August 2025
    • Juli 2025
    • Juni 2025
    • Mai 2025
    • April 2025
    • März 2025
    • Februar 2025
    • Januar 2025
    • Dezember 2024
    • November 2024
    • Oktober 2024
    • September 2024
    • August 2024
    • Juli 2024
    • Juni 2024
    • Mai 2024
    • April 2024
    • März 2024
    • Februar 2024
    • Januar 2024
    • Dezember 2023
    • November 2023
    • Oktober 2023
    • September 2023
    • August 2023
    • Juli 2023
    • Juni 2023
    • Mai 2023
    • April 2023
    • März 2023
    • Februar 2023
    • Januar 2023
    • Dezember 2022
    • November 2022
    • Oktober 2022
    • September 2022
    • August 2022
    • Juli 2022
    • Juni 2022
    • Mai 2022
    • April 2022
    • März 2022
    • Februar 2022
    • Januar 2022
    • Dezember 2021
    • November 2021
    • Oktober 2021
    • September 2021
    • August 2021
    • Juli 2021
    • Juni 2021
    • Mai 2021
    • April 2021
    • März 2021
    • Februar 2021
    • Januar 2021
    • Dezember 2020
    • November 2020
    • Oktober 2020
    • September 2020
    • August 2020
    • Juli 2020
    • Juni 2020
    • Mai 2020
    • April 2020
    • März 2020
    • Februar 2020
    • Januar 2020
    • Dezember 2019
    • November 2019
    • Oktober 2019
    • September 2019
    • August 2019
    • Juli 2019
    • Juni 2019
    • Mai 2019
    • April 2019
    • März 2019
    • Februar 2019
    • Januar 2019
    • Dezember 2018
    • November 2018
    • Oktober 2018
    • September 2018
    • August 2018
    • Juli 2018
    • Juni 2018
    • Mai 2018
    • April 2018
    • März 2018
    • Februar 2018
    • Januar 2018
    • Dezember 2017
    • November 2017
    • Oktober 2017
    • September 2017
    • August 2017
    • Juli 2017
    • Juni 2017
    • Mai 2017
    • April 2017
    • März 2017
    • Februar 2017
    • Januar 2017
    • Dezember 2016
    • November 2016
    • Oktober 2016
    • September 2016
    • August 2016
    • Juli 2016
    • Juni 2016
    • Mai 2016
    • April 2016
    • März 2016
    • Februar 2016
    • Januar 2016
    • Dezember 2015
    • November 2015
    • Oktober 2015
    • September 2015
    • August 2015
    • Juli 2015
    • Juni 2015
    • Mai 2015
    • April 2015
    • März 2015
    • Februar 2015
    • Januar 2015
    • Dezember 2014
    • November 2014
    • Oktober 2014
    • September 2014
    • August 2014
    • Juli 2014
    • Juni 2014
    • Mai 2014
    • April 2014
    • März 2014
    • Februar 2014
    • Januar 2014
    • Dezember 2013
    • November 2013
    • Oktober 2013
    • September 2013
    • August 2013
    • Juli 2013
    • Juni 2013
    • Mai 2013
    • April 2013
    • März 2013
    • Februar 2013
    • Januar 2013
    • Dezember 2012
    • November 2012
    • Oktober 2012
    • September 2012
    • August 2012
    • Juli 2012
    • Juni 2012
    • Mai 2012
    • Februar 2012
    • April 2011
    • Januar 2011
    • Dezember 2010
    • November 2010
    • Oktober 2010
    • September 2010
    • August 2010
    • Juli 2010
    • Juni 2010
    • Mai 2010
    • April 2010
    • März 2010
    • Februar 2010
    • Januar 2010
    • Dezember 2009
    • November 2009
    • Oktober 2009
    • September 2009
    • August 2009
    • Juli 2009
    [Anschrift-Wolfratshausen]
    [Anschrift-Muenchen]
    • Impressum
    • Datenschutz
    [borlabs-cookie type="btn-cookie-preference" title="Cookie-Einstellungen" element="link"/]
    © 2009-2026 GRAF-DETZER Rechtsanwälte
    • Start
    • Recht aktuell
    • Kontakt
    • Menü
      Schließen
    Navigation
    • Start
    • Kanzlei
      • Philosophie
      • Historie
      • Anwälte
      • Karriere
      • Kunst
      • Presse
    • Rechtsberatung
      • Erstberatung
      • Telefonische Beratung
      • Kosten
    • Rechtsgebiete
      • Arbeitsrecht Arbeitnehmer und Betriebsräte
      • Arbeitsrecht: Unternehmen
      • Erbrecht
      • Familienrecht
      • Forderungseinzug (Inkasso)
      • Gesellschaftsrecht
      • Gewerblicher Rechtsschutz und IT-Recht
      • Immobilienrecht, Mietrecht und WEG-Recht
      • Kapitalanlagerecht
      • Onlinehandel
      • Restrukturierung und Insolvenz
      • Unternehmenskauf
      • Unternehmensnachfolge
      • Urheber-, Medien- und Presserecht
    • Recht aktuell
    • Kontakt